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Tödliches Virus für Hunde und Katzen – “Pseudowut” durch den Aujeszky Virus

In Niederbayern und der Oberpfalz ist die Pseudowut auf dem Vormarsch.

Coronavirus, Schweinepest, Affenpocken, Leopardenpocken und jetzt auch noch das Aujeszky-Virus: Vielleicht besser bekannt unter dem Begriff “Pseudowut”. Der Erreger gilt in Deutschland eigentlich schon seit Jahrzehnten als ausgerottet, doch In Bayern sind nun aber neue Fälle aufgetaucht – und die können besonders für Hunde und Katzen gefährlich werden. Einmal angesteckt endet der Virus immer tödlich.

Pseudowut kann bei Hunden Selbstverstümmelung auslösen. In Bayern gibt es aktuell 2 Hotspots, besonders die Bezirke Niederbayern und die Oberpfalz sind auf Grund ihres dichten Baumbestandes akut gefährdet. Der Virus wird durch Wildschweine übertragen, die genau in diesen beiden Bezirken regelrecht die letzten Jahre über Hand nehmen.

Wildschweine sind die Überträger des Aujeszky Virus.

Anfang Mai war das Virus bei einem erlegten Wildschwein im Landkreis Landshut festgestellt worden. Seitdem gilt für Hundehalter beim Gassigehen besondere Vorsicht, vor allem im Wald sollten die Vierbeiner an die Leine genommen werden. Denn das Fatale am Aujeszky-Virus, das auch als “Pseudowut” bezeichnet wird, ist: Während es für die infizierten Wildschweine selbst vollkommen ungefährlich ist, verläuft eine Ansteckung bei Hunden und Katzen immer tödlich.

Etwa zehn Prozent der bayerischen Wildschweine haben das Virus in sich, gibt das Bayerische Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) an. Die Oberpfalz und Niederbayern seien besonders stark betroffen. Dabei gilt das Virus in Deutschland seit rund 20 Jahren eigentlich als besiegt. Für Menschen ist der Erreger ungefährlich.

Aujeszky Virus – Pseudowut Beschreibung:

Erreger:

Das Alphaherpesvirus Suid Herpesvirus 1 (SHV-1) wird auch als Pseurdorabiesvirus (PrV) bezeichnet.

Vorkommen und die Übertragung des Virus:

Der Hauptwirt für PrV-Infektionen ist das Schwein (Schwarzwild), aber mit Ausnahme der hoch resistenten Primaten und Equiden sind fast alle Säugetierarten empfänglich.

schwarzwildstrecke
schwarzwildstrecke – Quelle: Jägermagazin

Einmal infizierte Schweine bleiben – wie für Herpesvirusinfektionen charakteristisch – lebenslang latent infiziert. Das Virus kann dann jederzeit wieder produziert und ausgeschieden werden.

Deutschland ist zurzeit frei von der AK (Aujeszkische Krankheit) – allerdings gilt dies nicht für Schwarzwild.

Untypisch für Herpesviren bleibt das PrV im Fleisch relativ lange infektiös (Fleischreifung reicht nicht für eine Inaktivierung), sodass neben der direkten Übertragung über Kontakt und Aerosole auch die orale Aufnahme von infiziertem Material z. B. für Jagdhunde eine wichtige Infektionsquelle darstellen kann.

Krankheitsbild:

Hauptwirt Schwein: Das Krankheitsbild variiert deutlich mit dem Lebensalter der Tiere und der Virulenz des Virusstammes. Bei sehr jungen Tieren überwiegen Zentrale-Nervensystem-Symptome (ZNS-Symptome). Bestände mit adulten Tieren können klinisch unauffällig durchseuchen, trächtige Sauen abortieren. In Mastbetrieben dominiert die respiratorische Problematik.

Andere Säugetierarten: Es überwiegt die Pseudowut (ZNS-Symptome, starker Juckreiz), die innerhalb von Stunden bis Tagen zum Tod führt.

Diagnostik:

Für die Virologie geeignete kommerzielle Tupferentnahmesysteme (Nasen-, Rachen- und Genitaltupfer), Abortmaterial und ganze Tierkörper von kürzlich verendeten oder getöteten Tieren können eingesandt werden. Einfrieren und Auftauen von Probenmaterial führt zur deutlichen Senkung der Nachweiswahrscheinlichkeit.

Der Virusnachweis wird am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) über die Virusisolierung in Zellkultur geführt.

Untersuchungen zum Nachweis der Seuchenfreiheit, im Rahmen eines Monitorings und des Tierverkehrs werden serologisch über Antikörper-ELISA-Systeme durchgeführt.

Monitoruntersuchungen des LGL im Jahre 2018 für die Pseudowut:

Das LGL testet die Seren und Körperhöhlenflüssigkeiten von gesund erlegten Wildschweinen auf Antikörper gegen den Erreger der Aujeszkyschen Krankheit. Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigten, dass bayerische Wildschweine dieses Herpesvirus tragen können. So fand das LGL auch im Jahr 2018 in ca. 10 % der untersuchten Proben Antikörper gegen den Erreger der Aujeszkyschen Krankheit.

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Pseudowut gefährdete Bezirke – Quelle: Openagrar


Dies entspricht den Ergebnissen der Vorjahre, die zeigen, dass bayernweit konstant zwischen 10 und 12% der untersuchten Tiere infiziert sind. Ebenfalls blieb, wie bereits in den Vorjahren gezeigt, das deutliche Gefälle innerhalb Bayerns bestehen. Während ca. 20 % Antikörper-positive-Proben unter den untersuchten Proben der Regierungsbezirke Niederbayern, Oberpfalz und Unterfranken waren, reagierte keine Probe aus Schwaben in den angewendeten Test-Systemen.

Die Aujeszkysche Krankheit ist keine Zoonose, die Infektion kann aber vom Wildschwein auf Hausschweine, Hausrinder oder auch Hunde übertragen werden. Die Untersuchungen des LGL zeigen nach wie vor, dass diese Gefahr, insbesondere für Jagdhunde, die direkt in Kontakt mit infiziertem Schwarzwild kommen, weiterhin besteht.

Quelle: LGL Bayern

Verhaltenstipps für Hundehalter:

Hat sich ein Hund mit dem Virus infiziert, zeige sich dies an einem ungewöhnlichen und aggressiven Verhalten. Weitere Symptome sind Orientierungslosigkeit, Bewegungsstörungen, Speichelfluss, Juckreiz und sogar Selbstverstümmelung, wie das Landshuter Veterinäramt auflistet. Daher gibt die Behörde Hundehaltern Verhaltenstipps, um die Vierbeiner vor einer Ansteckung zu schützen:

  • Im Wald und in Waldnähe sollten Hunde an der Leine geführt werden;
  • Beim Gassigehen sollten ausschließlich befestigte Wege genutzt werden;
  • Der Kontakt zu lebenden oder toten Wildschweinen sollte unbedingt vermieden werden;
  • Hunde sollten auf keinen Fall in die Nähe von Wildtiersammelstellen oder sogenannten Luderplätzen gelassen werden; diese dienen in der Regel dazu, fleischfressende Tiere mit Kadavern anzulocken;
  • Jäger sollten Schwarzwild-Aufbruch weder auf ihrem Hof noch auf den Luderplätzen offen liegen lassen, da sich auch Jagdhunde mit dem Virus anstecken können;
  • Tiere sollten nicht mit rohem (Wild-)Schweinfleisch oder Innereien gefüttert werden;
  • Landwirte sollten ihre Biosicherheitsmaßnahmen dringend einhalten und laufend überprüfen.

Infizierte Haustiere können zwar keine anderen Tiere anstecken, für sie selbst verläuft eine Infektion mit dem Aujeszky-Virus aber schon nach kurzer Zeit tödlich. Einen Impfstoff gibt es bislang nicht.

Für Katzenhalter die richtigen Tipps zu geben, wird schwierig, da es sich hier ja um Freigänger (die natürlich gefährded sind) bis zum reinen Stubentiger handeln kann.

Bei Stubentiger sollte es bezüglich des Virus keine Probleme geben. Bei Freigängern kann natürlich der Kontakt mit Kadavern am Land schon mal vorkommen, aber wollen wir hoffen daß nicht gerade deine Katze hier betroffen ist. Ansonsten ist man bei reinen Freigängern, wo auch mein “Andy” dazugehört eher machtlos sich irgendwie zu schützen.

Allerdings könnte man sich mal mit einem Jäger unterhalten der dir mit Sicherheit sagen kann wie in deinem Ort das Virus (Pseudowut) um sich greift und welche Massnahmen auch von offizieller Seite dazu gemacht werden. Mehr kann man leider nicht tun.

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